Der Winter in Schweden ist heiß

On the road

Im Radio wurde gerade über die neuesten Kämpfe im südöstlichen Ausland berichtet, als ich an die Tankstelle fuhr, um noch Reiseproviant und eine Straßenkarte zu besorgen. Ein Navi hatte ich nicht. Das war doch nur was für Weicheier. Mit einer Plastiktüte beladen sprintete ich durch den Nieselregen zum Auto zurück. Vollgetankt machte ich mich auf den Weg zur Autobahn. Ich würde in Kiel auf eine Fähre gehen, die direkt nach Göteborg übersetzte. Das war eine kostspielige Verbindung, aber die einfachste. Fand ich jedenfalls.

Nach etwa zehn Minuten lenkte ich in den Kreisel ein, von dem aus die Autobahn begann. Bundesautobahn stand links der Autobahnauffahrt. Eingemeißelt in einen großen grauen Steinblock.
Und genau gegenüber stand sie. Auf ihrem Pappschild stand mit großer geschwungener Schrift geschrieben: ICH WILL SCHNEE!

Ohne nachzudenken, trat ich auf die Bremse und kam direkt neben ihr auf dem Standstreifen zum Stehen. Ein frecher kurzer Rotschopf, mit fröhlich blitzenden grünen Augen und einem herrlichen Schmollmund. Fragend spähte sie zum Seitenfenster herein.
„Hi! Wohin geht die Fahrt?“
„Nach Schweden“, antwortete ich knapp.
Sie rümpfte die sommersprossige Stupsnase.
„Das ist weit, man.“
„Klar!“, erwiderte ich. „Vorher gibt’s aber keinen Schnee.“
Das Mädchen dachte nach. Dann nickte sie. „Hast recht! Also kann ich mit?“ Als Antwort öffnete ich ihr die Beifahrertür. Sie schlüpfte ins Wageninnere und warf ihren Rucksack nach hinten zur Provianttüte. Sie trug warme Stiefel und einen langen roten Mantel. Mehr konnte ich von ihr vorerst nicht erkennen. Ich wandte den Blick von der Süßen ab, schaltete die Scheibenwischer ein und fädelte mich in den Verkehr ein.

Sie pustete in ihre Hände und rieb sie aneinander. „Ist dir kalt?“ Was für eine dämliche Frage. Natürlich war ihr kalt. Was sollte einem auch sonst sein, wenn man stundenlang im windigen Nieselregen stand und auf eine Mitfahrgelegenheit hoffte. Und das drei Tage vor Weihnachten, wo alle auf Familie machten oder gerade die Kaufhäuser leer kauften, um allen noch rechtzeitig Geschenke unter den Weihnachtsbaum legen zu können.

Ich drehte die Heizung auf. „Wie heißt du?“, fragte sie und ich bemerkte erst jetzt, dass sie mich musterte. „Julian!“, stellte ich mich vor. „Einfach nur Julian.“ Sie lächelte. „Ok! Und falls du meinen Namen auch wissen möchtest? Ich bin Sylvie.“ „Freut mich dich kennenzulernen, Sylvie“, gab ich ehrlich zurück und sah kurz zu ihr hin. Aber es war stockdunkel und der Regen war inzwischen so stark, dass ich mich lieber wieder auf die Fahrbahn konzentrierte, wenn wir jemals heil im Land der Elche ankommen wollten.

Eine Weile lauschten wir der Musik, die aus dem Radio plärrte. Dann zog Sylvie ein iPhone aus den Tiefen ihres Mantels und tippte darauf herum. „Um 23 Uhr geht noch eine Fähre“, teilte sie mir mit. „Meinst Du, wir schaffen das?“ Ich hätte sie auf der Stelle küssen können. Ich hatte mich noch gar nicht darum gekümmert, wie die Überfahrt ablaufen sollte. Ich hatte mir also nicht nur ein total süßes Ding, sondern offenbar auch eine große Reisehilfe als Begleitung ins Auto geladen. „Müsste klappen“, gab ich zurück und warf ihr einen kurzen dankbaren Seitenblick zu. „Schön! Dann buche ich uns mal schnell einen Platz. Damit sie uns dann auch wirklich mitlassen.“ „Wow!“ entwischte es mir. „Ich glaube, ich fange an, dich richtig gut zu finden.“ Sylvies Blick hielt mich lange fest, aber sie sagte nichts. War da der Anflug eines verschmitzten Grinsens? Ich war mir nicht sicher.

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