Lustbeweise

Erwartungsgemäß stellten sich die Zweifel bereits am nächsten Tag ein. Aber Hannah war zu stolz, um jetzt noch einen Rückzieher zu machen. Sie wollte Tim beweisen, dass sie durchaus in der Lage war, Sex zu genießen und sich auf neue Erfahrungen einzulassen.

Drei Tage später erhielt Hannah einen Brief. Er war handgeschrieben und das Briefpapier blutrot.

 

Liebe Hannah,

 

Ich freue mich wirklich sehr, dass du mir vertraust und dich auf dieses kleine Experiment einlässt.

Wie vereinbart, wirst du drei Tage bzw. Nächte mit mir verbringen. Jeder Tag wird unter einem anderen Motto stehen und dir eine neue sexuelle Erfahrung ermöglichen.

Woher ich weiß, dass du diese Erfahrungen nicht bereits gemacht hast? Ich weiß es nicht. Ich glaube lediglich dich gut genug zu kennen, um einschätzen zu können, wie weit du bis jetzt gegangen bist. 

Anbei findest du die Einkaufsliste für jeden der drei Tage. Ich wünsche dir Spaß beim Shoppen und werde mir immer mal wieder vorstellen, wie du dich fühlst, weil du zwischen Vorfreude, Erregung und Panik schwankst. Vielleicht stelle ich mir auch vor, wie deine kleinen, festen Brüste in einer durchsichtigen schwarzen Spitzenkorsage aussehen. Oder lasse vor meinem geistigen Auge das Bild entstehen, wie du unter deiner Dusche stehst und deine Pussy rasierst und anschließend mit einem milden Duschgel einreibst. Eine andere Möglichkeit wäre, mich an der Vorstellung zu erfreuen, wie du es dir nachts unter Decke heimlich selber besorgst.

Es gibt so viele anregende Gedanken, die mir kommen, wenn ich an unsere Vereinbarung denke, und kann nicht leugnen, dass mein Schwanz gerade ziemlich fest gegen meine Jeans drückt. 

 

An dieser Stelle legte Hannah den Brief kurz zur Seite. Sie hatte nicht gewusst, dass Tim so anregend schreiben konnte. Das war nicht der sachliche Tim, der sich so gerne über sie lustig machte.

Seine Worte hatten sie zunächst ein wenig geärgert, dann erschreckt und zuletzt schlicht und einfach erregt.

Selbst jetzt noch spürte sie ihre harten, aufgerichteten Nippel, die sich an den Stoff ihres BHs schmiegten, und registrierte ein angenehmes Kribbeln zwischen ihren Beinen.

Neugierig las Hannah weiter.

 

Nun, Hannah, du siehst, ich platze fast vor Vorfreude. 

Aber jetzt zu unserem „Programm“. Unser erster Tag, der Freitag, steht unter dem Motto:

 

„Hingabe und Vertrauen“.

 

Ich bitte dich, folgende Dinge zu besorgen: 

Rote Unterwäsche, möglichst mit Spitze und leicht transparent, 

Ein schwarzes Seidentuch,

Einen Vibrator, der dir optisch zusagt, ordentlich vibriert und dezent arbeitet (also nicht so einen billigen, der so laut ist wie ein Presslufthammer).

 

Das Motto für Samstag lautet:

 

„Orientalischer Zauber“

 

Du benötigst ein zum Anlass passendes Outfit. Wie das aussehen soll, überlasse ich dir. Wichtig ist jedoch, dass du dir alle Haare am Körper entfernst.

Tipp: lasse diesbezüglich lieber einen Profi ran.

 

Das dritte Motto liegt mir besonders am Herzen:

 

„Machtspiele“

 

Lack, Leder und Co. wären angemessen. Aber wähle Kleidungsstücke, in denen du dich wohlfühlst- und in denen du dich noch bewegen kannst.

 

So, das war eigentlich alles. Ich bin gespannt, was du daraus machst und freue mich auf unser Wochenende.

 

Tim

 

Hannah las den Brief erneut. Sie wusste nicht, was sie davon halten sollte. Einerseits freute sie sich auf diese sexuelle Herausforderung, andererseits hatte sie Angst davor. Und was war nur mir ihrem Tim passiert? Sicher, er hatte schon immer gewusst, was er wollte, aber die akribische Planung dieses Wochenendes hatte etwas Businessmäßiges. Sie sollte ihm vorschlagen, professionell Erotik-Events zu organisieren. Sie hatte darüber vor Kurzem eine Reportage gesehen.

Doch Spaß beiseite. Sie hatte einige Einkäufe zu erledigen. Unterwäsche shoppte sie gerne, das war keine Herausforderung. Doch wo sollte sie einen teuren Vibrator hernehmen? Sicher, sie könnte sich einen solchen im Internet bestellen, aber woher sollte sie wissen, ob der eine angenehme Lautstärke hatte? Und dann war da noch das Domina-Outfit: Mit so etwas kannte sie sich gar nicht aus.

Hannah setzte sich vor ihren PC und recherchierte ein wenig. Ganz in der Nähe gab es einen Sex-Shop für Frauen. Die Bilder auf der Homepage wirkten recht ansprechend und dort würde sie sicher bekommen, was sie brauchte. Es sah ganz zu aus, als wäre der Besuch eines richtigen Sex-Shops die erste Herausforderung, der sie sich stellen musste. Hannah war ziemlich sicher, dass Tim sich genau das ebenfalls überlegt hatte. Nun, sie würde nicht kneifen. Da konnte er lange warten.

Voller Enthusiasmus schnappte sie sich ihre Tasche und machte sich auf den Weg in die Stadt. Dort würde sie als Erstes einen Termin im Kosmetikstudio vereinbaren. Sie konnte nur hoffen, dass die Enthaarungsprozedur nicht übermäßig schmerzhaft werden würde.

Einige Stunden später betrat Hannah wieder ihre kleine Wohnung. Ihre Körperhaare war sie bereits los geworden, dafür hatte sie insgesamt fünf Einkaufstüten mit sich herumgeschleppt, die sie nun erleichtert im Flur abstellte.

Hannah wollte sich gerade eine kleine Pause auf dem Sofa gönnen, als das Telefon klingelte.

„Hannah Groß?“

„Hi, Honey Bunny, hier ist Tim. Kommst du zufällig vom Einkaufen?“

„Richtig geraten und nenne mich nicht so. Du kannst eine erwachsene Frau, die du nach allen Regeln der Kunst zu vernaschen gedenkst, doch nicht mit einem so blöden Namen degradieren.“

„Schon gut! Nicht aufregen.“ Er räusperte sich.

Und? Warst du erfolgreich?“ In seiner Stimme ließ er neben dem üblichen Spott auch eine kaum unterdrückte Erregung anklingen.

„Ja, war ich. Ich werde sexy aussehen, mach dich auf etwas gefasst.“

Als sie in der Umkleidekabine gestanden und verschiedene Wäsche-Sets anprobiert hatte, war ihr zum ersten Mal seit Langem wieder bewusst geworden, dass sie tatsächlich optisch einiges her machte. Diese ganze seltsame Wette versetzte sie in eine eigenartige Stimmung, die sich am besten mit einem Gefühlscocktail aus Vorfreude, Geilheit, Angst und Trotz beschreiben ließ.

„Ich kann es kaum erwarten, Hannah.“ Er sagte das sehr ernst, fast ehrfürchtig.

„Ok. Wir sehen uns Freitag, ja?“ Hannah brachte dieses Gespräch irgendwie aus dem Konzept.

„Ok. Ich freue mich.“ Tim legte auf.

 

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